Aussitzen – warum lässt mein Pony mich nicht sitzen?

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Frage: Ich bin elf und bekomme auf meinem Ponywallach zweimal in der Woche Unterricht. Er ist sehr lieb, und wir haben viel Spaß. Wenn ich aber im Trab aussitzen möchte, tut er den Kopf hoch. Dann fühlt er sich furchtbar unbequem an, und meine Hände und Beine fangen an zu wackeln. Was kann ich tun?

Antwort: Hallo, ich versuche gern, Deine Frage zu beantworten, auch wenn ich Dir über das Internet nur ganz allgemein ein paar Tipps geben kann.

Erst einmal gehe ich natürlich davon aus, dass Sattelzeug und gesundheitlicher Zustand Deines Pferdes geprüft sind. Und dass Dein Pony unter einem erfahrenen Reiter korrekt und losgelassen läuft und das Problem nur bei Dir auftritt. Wenn diese Voraussetzungen stimmen:

Normalerweise strecken Pferde dann den Rücken weg und nehmen den Kopf dabei hoch wie ein Kamel, wenn ihnen etwas unangenehm ist. Sie versuchen so, sich dem Unangenehmen zu entziehen. Deshalb gehe ich davon aus, dass Du an deinem Sitz arbeiten solltest. Zu allererst solltest Du schauen, ob Du im Lot sitzt. Das bedeutet, dass Schulter, Hüftgelenk und Absatz in etwa untereinander liegen sollten. Lass dir dabei am Besten von einem Außenstehenden Rückmeldung geben und vertraue seinem Urteil – auch wenn sich Dein Sitz vielleicht erstmal komisch anfühlt. Wenn Du ihm gar nicht glaubst, dann lass Dich fotografieren!

Sitzt Du korrekt, überprüfe die Länge Deiner Steigbügel! Damit Du in den Gelenken nach unten durchfedern kannst, dürfen die Bügel nämlich nicht zu lang sein. Das richtige Maß findest Du, wenn Du Dich auf dein Pferd setzt und die Beine neben den Steigbügeln locker herabhängen lässt. (Wirklich ganz locker! Ungefähr so, wie gekochte Spaghetti von einer Gabel herunterhängen.) Die Trittfläche Deines Steigbügels sollte dann direkt unterhalb deines Knöchels liegen. Hängt sie tiefer, macht der Bügel Dein Bein zu lang. Damit stellst Du dann Deine Hüfte fest, und ein Mitgehen in der Bewegung ist nur sehr schwer möglich. (Dies ist übrigens besonders bei Dressurfans ein beliebter Fehler, da lange Bügel besonders „In“ sind. Wenn man die Bügel dann richtig einstellt, kommt man sich erstmal vor wie ein Springreiter. Fühlt sich aber schlimmer an, als es aussieht.)

Übe nun das Aussitzen! Lass dabei die Zügel vorerst ganz lang. Versuche nicht, Dein Pferd „runterzureiten“. Dein Pferd lässt den Hals fallen (nimmt den Kopf bei lang-gedehntem Hals runter), wenn es sich unter Dir entspannt. Und das tut es, wenn es Deinen Sitz als angenehm empfindet. Es geht jetzt also erst einmal um Dich, nicht um Dein Pferd. (Das Pferd kannst Du erst formen, wenn der Sitz stimmt).

Versuche nicht, Dich mit den Beinen festzuhalten. Das funktioniert nämlich nicht. (Diesen Fehler nennt man übrigens Klammern.) Der Pferderücken geht im Trab rauf und runter. Immer dann, wenn der Rücken nach oben geht, spannen sich die Muskeln auf der Innenseite Deiner Oberschenkel an. Das ist ein Reflex, den Du nicht ausschalten kannst und der Dir hilft, im Falle eines unerwarteten Hüpfers auf dem Ponyrücken zu bleiben. Aaaber … bleiben diese Muskeln angespannt, weil Du Dein Bein zusammendrückst, um dich festzuhalten, sitzt du quasi gegen die Bewegung des Ponys und fängst mehr oder weniger an zu hoppeln. Zumindest hoppelst Du aber so sehr, dass es Deinem Pony unangenehm ist.

Du musst also lernen, Dich mit dem Pferderücken, nach unten zu entspannen. Also quasi zusammen mit dem Pferd nach unten zu „fallen“. Fühle also den Rhythmus deines Ponys 1-1-1-1-1-1-1 (denn beim Aussitzen, sitzt Du ja jeden Takt aus) und entspanne Po und Bein immer dann, wenn der Rücken nach unten geht. 1-1-1-locker-locker-locker … Gleichzeitig entspannst Du Deine Schultern ein ganz kleines bisschen. Du kannst dir auch vorstellen, dass Deine Schultern im Trabrhythmus ganz ganz winzig kleine Rückwärtskreise machen (die man aber von außen nicht sehen darf).

Auch übertriebenes Geradesitzen kann einen geschmeidigen Sitz verhindern. Setz Dich also ein klein wenig mehr auf die „Hosentaschen“ (wirklich nur ein ganz minikleines bisschen) und lass Deine Brust bzw. Dein Brustbein minimal absinken – wirklich auch hier nur ein ganz ganz minikleines bisschen und immer nur so viel, dass Du immer noch gerade sitzt.

Du kannst Dir außerdem vorstellen, Dich vom Bauchnabel aus nach hinten-oben durch die Brustwirbelsäule stabilisieren. Ertaste mit Deinen Fingern (Zeige- und Mittelfinger) beide Körperstellen und folge einem unsichtbaren Energiestrahl.

Sei ein Schwan! Denk bei Deiner Kopf-Hals-Haltung an den elegant nach hinten-oben gewölbten Hals und leicht getragenen Kopf eines Schwanes. Weniger an eine Schildkröte (das fühlt sich dann auch irgendwie verkrampft an). Und zu guter Letzt: Entspanne deine Ohren! (Nicht fragen, nicht wundern. Einfach dran denken. Das reicht.)

Mit diesen kleinen Korrekturen, sollte es mit dem Aussitzen bald besser klappen. Wenn Dein Pony dann beginnt, abzuschnauben und den Hals zu senken, dann kannst Du beginnen, die Zügel allmählich zu verkürzen und ihm die Hand anzubieten. Akzeptiert es die angebotene Anlehnung, ohne sich erneut zu verkrampfen, kannst Du damit beginnen dein Pony Stückchen für Stückchen „an die Hand“ heranzutreiben.

Viel Spaß beim Üben

Deine Ponykram-Karo

Karoline Ewers, www.ponykram.de