Durchzug im Stall — ist das gefährlich?

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Frage: Meine Boxen-Nachbarin, deren Pferd im Winter geschoren und eingedeckt ist, achtet immer sehr darauf, dass bei unter zehn Grad die Stalltür und ihr Boxenfenster geschlossen sind. Mein Pferd ist nicht eingedeckt, und mein Fenster ist nur dann zu, wenn die Tränke einzufrieren droht. Jetzt versucht sie, mich wegen „Durchzugs-Gefahr“ zu bedrängen, mein Fenster auch öfter zuzumachen. Gibt es diese Gefahr wirklich?

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Antwort: Leider ist die Angst vor Zugluft immer noch fest in den Köpfen vieler Pferdebesitzer verankert. Pferde benötigen stets bewegte Luft, um gesund zu bleiben. Wer meint, sein Pferd scheren zu müssen – was eigentlich nur für wirkliche Turnierpferde erforderlich ist –, der muss es auch eindecken. Damit wird zwar nicht dieselbe Unempfindlichkeit gegen Außenklimaeinwirkungen erreicht, es genügt aber in den meisten Fällen. Fenster und Türen aus Angst vor bewegter Luft zuzumachen, ist kontraproduktiv und schadet den Pferden. Diese Einstellung hat lange Zeit zu Erkrankungen der Atemwege geführt. Heute sind diese aufgrund der Erkenntnis, dass Pferde einen kalten Stall mit bewegter Luft benötigen, weitgehend verschwunden. Bei extremen Wetterverhältnissen (Eisregen, starker Wind bei Kälte) ist es in Ordnung, die Fenster auf der Wetterseite zu schließen, aber bitte nur da! Die restlichen Fenster müssen offen bleiben. Gut bewährt haben sich heute Windschutznetze anstelle von Fenstern. Das lässt einen guten Luftaustausch zu, reduziert aber die Luftbewegungsgeschwindigkeit.

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Am gesündesten sind ungeschorene Pferde im Winter ohne Decken. Decken verhindern das permanente Training der Thermoregulation und führen eher zu Erkrankungen als diese zu vermeiden. Die beste Decke ist immer noch das gesunde Fell eines Pferdes!

Georg Fink