Horsemanship – was ist das eigentlich?

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Horsemanship ist eine Begrifflichkeit, die wir noch gar nicht so lange in unserem deutsch-reiterlichen Sprachgebrauch kennen. Bis vor etwa 20 Jahren wusste kaum jemand etwas mit diesem Begriff anzufangen. Inzwischen wird er sehr inflationär benutzt, viele unterschiedliche Pferdeleute verkaufen heute ihre Arbeit mit Pferden als Horsemanship-Arbeit, ohne dass daraus hervorgeht, was sie damit meinen. Zunächst sagt ja auch dieses Wort übersetzt nur: Pferde-Mensch-Gemeinschaft. An welcher Philosophie man sich dabei orientiert, welche Grundlagen dieses Horsemanship hat und wie es ausgeführt wird, bleibt dabei zunächst meist offen. So kann dieses Horsemanship sich begründen auf alte Vorgaben wie wir sie z.B. in unserer konventionellen Kultur in den Richtlinien für Reiten und Fahren vorfinden, die begründet sind auf die HDV 12 (Heeresdienstvorschrift von 1912). Andere schauen in andere Länder und Kulturen und versuchen dort Orientierung zu finden, oft sind es die Ursprungsländer der Pferde, die sie reiten. Und da jedes Land seine eigene Pferdekultur hat, seine eigenen Traditionen und auch die Zweckbestimmung der Pferde schon mal sehr unterschiedlich sind, kommen dabei die unterschiedlichsten Horsemanship-Ideen hervor. Das führt dazu, dass mitunter eine große Unsicherheit unter den Orientierungssuchenden besteht über den richtigen Weg mit den Pferden. Man ist irritiert, wer hat nun den richtigen Schlüssel zum Pferd und wer kann einem die richtige Anleitung zu einem erfolgreichen Umgang mit Pferden geben.

Auf diese Frage hat uns Henry Ford (Automobilhersteller und sehr erfolgreicher Geschäftsmann) die entscheidende Antwort gegeben. Als er einmal nach dem Geheimnis seines großen Erfolges gefragt wurde, antwortete er: „Das Geheimnis des Erfolges ist es, den Standpunkt des Anderen zu verstehen“. Hier liegt auch der Schlüssel zu einem erfolgreichen Umgang mit dem Pferd. Wenn wir lernen, das Pferd Pferd sein zu lassen, wenn wir uns Mühe geben, ihm in seinen Gesetzmäßigkeiten zu begegnen und uns an seinen Bedürfnissen zu orientieren, dann kann eine Pferde-Mensch-Partnerschaft erfolgreich werden und zwar für beide Parteien. Und dann können uns alle Kulturen, Nutzungsweisen und Philosophien egal sein. Der Schlüssel zum Pferd ist das Pferd. Also muss sich ein erfolgreiches Horsemanship an der Natur des Pferdes orientieren als eine Natürliche Partnerschaft mit Pferden oder ein Natural Horsemanship.

Peter Pfister