Interview mit Tanja Mundt-Kempen (Moderatorin bei Standpunkt.Pferd)
Warum braucht es Standpunkt.Pferd auf den Messen?
Messen bringen Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen, Überzeugungen und Prägungen zusammen. Gerade deshalb braucht es Standpunkt.Pferd. Hier wird nicht übereinander gesprochen, sondern miteinander. Es entsteht ein Raum, in dem unterschiedliche Sichtweisen respektvoll aufeinandertreffen und ehrliches Interesse am Denken, Fühlen und Handeln des anderen wachsen kann.
Mich begeistert immer wieder, dass die Gespräche oft nicht nach den 30 Minuten auf der Bühne enden. Im Gegenteil: Häufig gehen die Diskussionen anschließend bei einem Kaffee weiter. Menschen, die sich vorher kaum wahrgenommen haben oder sogar bewusst Abstand gehalten haben, kommen miteinander ins Gespräch und entdecken ihre gemeinsame Leidenschaft – das Wohl von Pferd und Mensch.
Oft sind anerkannte Fachleute überrascht, dass eine vermeintliche konträre fremde Perspektive ihre eigene Position nicht infrage stellt, sondern ergänzt!
Und manchmal entstehen die schönsten Momente gerade ungeplant. Wenn organisatorisch improvisiert werden muss und spontan Referentinnen oder Referenten einspringen, haben sich daraus schon mehrfach fachliche und menschliche Glücksfälle entwickelt.
Wenn Sarah und ich noch 40 Minuten Zeit haben, um in der Nachbarhalle eine Futterexpertin oder einen Pferde-Hundeprofi zu finden, der spontan bereit ist und ein passendes Zeitfenster opfert, um unsere unerwartet lückenhafte Expertenrunde zu füllen. Genau diese Offenheit und das Miteinander machen für mich den besonderen Charakter von Standpunkt.Pferd aus.
Was war deine liebste Begegnung bei Standpunkt.Pferd?
Es gibt nicht die eine Begegnung – aber zwei Erlebnisse werde ich wohl nie vergessen.
Am letzten Messetag in Hannover war ich als Moderatorin müde und ziemlich hungrig. Ich hatte es mir für einen Moment auf einer Zuschauerposition bequem gemacht und verfolgte die laufende Diskussionsrunde. Hinter mir warteten bereits die nächsten Referentinnen und Referenten, unter ihnen Sibylle Wiemer mit ihrem liebenswerten Wuschelhund – gefühlt so groß wie ein Shetlandpony. Während meine Aufmerksamkeit ganz auf der Bühne lag, ruhte meine Hand samt Brötchen auf meinem Oberschenkel. Ich spürte einen sanften, aber erstaunlich präzisen Zug – und ehe Sibylle oder ich überhaupt begriffen hatten, was da passiert, verschwand mein Brötchen im freundlichen Maul des wuscheligen Vierbeiners. Wirklich böse war niemand – nur ich blieb weiterhin hungrig. Bis heute muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke.
Tief bewegt hat mich jedoch meine letzte Begegnung mit Tamara Ebert, einem Urgestein von Standpunkt.Pferd. Sie war bei der letzten Equitana bereits unheilbar krank und konnte nicht mehr aktiv mitarbeiten. Freunde erfüllten ihr den Herzenswunsch, noch einmal zur Messe zu kommen. Im Liegendtransport wurde sie mit dem Krankenwagen nach Essen gebracht. Obwohl auf einer so großen Messe normalerweise jeder Zufahrtsweg lange geplant ist, gelang es innerhalb weniger Minuten, eine Genehmigung zu organisieren, damit sie direkt bis an die richtige Halle fahren konnte.
Als Tamara ankam, war ihre Freude ansteckend. Obwohl sie körperlich schon sehr schwach war, strahlte sie eine Lebendigkeit und Dankbarkeit aus, die mich tief berührt hat. Wenige Wochen später ist sie verstorben. Dieser Tag hat mir eindrücklich gezeigt, welche Kraft aus echter Gemeinschaft und aus den Dingen erwächst, die wir lieben. Für mich verkörpert diese Begegnung den Geist von Standpunkt.Pferd vielleicht besser als jede Podiumsdiskussion.
